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15.04.2021

Auszug aus unserer Stellungnahme gegenüber dem Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur bezüglich der Veranstaltung am 21. März 2021

Mainz, 14.04.2021: Die DITIB Rheinland-Pfalz bedauert zutiefst, dass aufgrund der Veranstaltungsankündigung am 21.03.2021 berechtigte Irritationen aufkamen. Erneut möchten wir an dieser Stelle betonen, dass wir die bekanntgewordenen und hochproblematischen Positionen des besagten Gastreferenten, welche von verschwörungstheoretischen Erzählungen, antisemitischen Narrativen und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (Homophobie) durchdrungen sind, entschieden zurückweisen.
Denkmuster, die von einem Schema des Dazugehörens oder Dagegenseins durchsetzt sind und Mitmenschen als vermeintlich Dagegen-Seiende deklariert, in hetzerischer Art entmündigt und entmenschlicht, ihnen aufgrund ethnischer, geschlechtlicher, religiöser oder weltanschaulicher Identitätszuschreibungen ihre unveräußerliche Würde abspricht, sind hochproblematisch und gefährden unseren gesellschaftlichen Frieden. Unsere Landesreligionsgemeinschaft weist derartige Denkmuster entschieden zurück, denn sie können sowohl im Lichte unseres Grundgesetzes als auch im Lichte unseres religiös-theologischen Selbstverständnisses – ausgehend von unserem Gottes- und Menschenbild – in keiner Weise akzeptiert werden, vielmehr muss dagegen aktiv, offen und konsequent entgegengewirkt werden. Vor diesem Hintergrund beobachten wir mit großer Sorge und großem Befremden, dass eben jene Denkmuster, denen verschwörungstheoretische Erzählungen, antisemitische Narrative und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit inhärent sind, in gesamtgesellschaftlichen, aber auch in inner-muslimischen Diskursen zunehmend Gehör finden.
Als eine Religionsgemeinschaft der Mitte fühlen wir uns dem göttlichen und gesellschaftlichen Frieden sowie der gesamten Schöpfung, mithin aller Menschen samt ihrer gottgewollten Unterschiedlichkeit und Vielfalt verpflichtet. Ausgrenzende, entwürdigende oder gar entmenschlichende Positionen, haben keinen Platz in unserer Landesreligionsgemeinschaft. Aus diesem Grund hat sich unser Landesvorstand nach Bekanntwerden der hochproblematischen Positionen des Gastreferenten folgerichtig und unverzüglich dazu entschieden, die geplante Veranstaltung für den 21.03.2021 abzusagen. Ebenfalls haben mit unserem Generalsekretär, der das Organisationskomitee leitete und auch unser ehemaliger Vorsitzender Verantwortung übernommen und sind von ihren Vorstandsaufgaben zurückgetreten.
Medial wie politisch erhobene Forderungen aufgrund dieser bedauernswerten und nunmehr korrigierten Fehlbesetzung, Kooperationen mit unserer Landesreligionsgemeinschaft seien grundsätzlich aufzukündigen, entbehren allerdings jeder Verhältnismäßigkeit. Unsere Landesreligionsgemeinschaft ist und bleibt ihrem Selbstverständnis als eine deutsche Religionsgemeinschaft, die im Bundesland Rheinland-Pfalz beheimatet und somit dem hiesigen gesellschaftlichen, vielfältigen Frieden verpflichtet ist, verbunden. An unserem Auftrag, in diesem Rahmen mit unserer rheinland-pfälzischen Landesregierung vertrauensvoll und konstruktiv-kritisch zusammenzuarbeiten, ändert sich nichts. Wir bekennen uns zweifelsfrei und ausdrücklich zu den Zielvereinbarungen. Die religiösen, sozialen und kulturellen Dienste unserer Moscheegemeinden sind jahrzehntelange Zeugen dieses Selbstverständnisses. Die besagte und berechtigt kritisierte Fehlentscheidung mag einen medialen Schatten über das gesellschaftliche, friedensstiftende und interreligiöse Engagement unserer Moscheegemeinden und ehrenamtlich Engagierten werfen, doch ändert dies nichts an unserem tatsächlichen Gemeinschaftsleben. Im Namen dieser breiten Basis möchten wir daher ein weiteres Mal unsere konstruktive Kooperationsbereitschaft betonen und auf die laufenden Wandlungsprozesse innerhalb unserer Landesreligionsgemeinschaft verweisen, die zuvorderst das Resultat gemeinschaftsinterner, aber auch das Ergebnis der sehr wichtigen Zusammenarbeit mit Land und Kommunen im Bereich der strukturellen Integration des Islam in Deutschland und in Rheinland-Pfalz sind.
Abschließend möchten wir unsere strukturellen Zielsetzungen formulieren, mit denen wir eine aufklärende und präventive Arbeit beabsichtigen, um verschwörungstheoretischen Erzählungen, antisemitischen Narrativen und menschenfeindlichen Positionen nachhaltig entgegenzuwirken. Zusätzlich zu der bereits angekündigten und in der Zielvereinbarung festgehaltenen hauptamtlichen Landesgeschäftsführung werden wir eine Arbeitsgruppe Gesellschaft, Dialog und Medien einrichten, die diese Zielsetzung mittelfristig durch Seminarreihen und regionale Konferenzen für unsere Moscheegemeinden, Funktionsträger und weitere ehrenamtlich Engagierte fördern wird. Langfristig soll diese Arbeitsgruppe eine fachlich tiefer gehende Sacharbeit in Zusammenarbeit mit staatlichen und zivilgesellschaftlichen Partnern durch Bildungsangebote und Informationsmaterialien etablieren. Unsere Arbeitsgruppe wird hierbei durch die Kompetenz und fachliche Expertise der Abteilung unseres Bundesverbandes Gesellschaft, Öffentlichkeit und Zusammenarbeit begleitet.
Des Weiteren werden wir als Landesvorstand eine verbindliche Compliance-Richtlinie erlassen, die sicherstellen wird, dass Funktionsträger und Positionen, die unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung sowie unserem religiösen und gesellschaftlichen Selbstverständnis zuwiderlaufen, nicht für unsere Landesreligionsgemeinschaft stehen können. Mit dieser aufklärend-präventiven Bildungsarbeit, der nachhaltig-strukturellen Etablierung dieser Mechanismen sowie der Compliance-Richtlinie soll eine umfängliche Aufarbeitung, Entgegenwirkung und Sensibilisierung im Sinne unserer gemeinsamen Zielvereinbarung gewährleistet werden.
Islamische Religionsgemeinschaft DITIB – Rheinland-Pfalz



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